Windrose – Piratenleben für PC, getestet vom Gamer Dad

Als Survival-Fan der ersten Stunde dachte ich ehrlich gesagt, ich hätte das Genre langsam durch. Noch ein Wald, noch eine Wüste, noch eine Tropeninsel – man baut sich seine Hütte, verprügelt Wildschweine und kennt das Spiel im Grunde schon, bevor man es gestartet hat. Und dann kam Windrose um die Ecke und hat mich gepackt wie schon lange kein Survival-Titel mehr.

Die Idee ist simpel, aber clever: Statt im x-ten Mittelalter-Setting landet man als Piratenkapitän in einem alternativen Piratenzeitalter. Zu Spielbeginn verliert man sein Schiff und strandet auf einer einsamen Insel – ab da heißt es sammeln, eine kleine Basis hochziehen und Stück für Stück wieder seetüchtig werden. Klassisches Survival-Gerüst, aber das Piraten-Setting gibt dem Ganzen einen Charme, den ich so noch nicht erlebt habe. Man merkt bei jedem Detail, dass hier ein Team am Werk war, das Bock auf das Thema hatte.

Das absolute Herzstück sind für mich die Schiffsschlachten. Die richtige Position zum Gegner finden und im richtigen Moment die Kanonen krachen lassen – das trifft genau den Mittelweg zwischen Arcade und Simulation. Nicht zu fummelig, nicht zu seicht. Genau dieses „noch eine Schlacht“-Gefühl, das einen dann doch zwei Stunden länger am Rechner hält, als man eigentlich wollte. Dazu kommt ein Souls-like-Kampfsystem an Land: fordernd, aber fair, mit einem Paier-Timing, das sich nach kurzer Eingewöhnung richtig befriedigend anfühlt. Und das Crafting? Erinnert stark an Valheim – eingängig, logisch aufgebaut, ohne einen mit zwölf Skill-Trees zu erschlagen. Man wächst organisch in seine Möglichkeiten rein, statt sich durch Menüs zu quälen.

Optisch ist es jetzt schon ein Hingucker (läuft auf der Unreal Engine), vor allem das Wasser hat es mir angetan. Bei Sonnenuntergang auf hoher See hab ich mehr als einmal einfach nur dagesessen und geguckt.

Jetzt der Teil, der uns als Eltern interessiert: Passt das überhaupt in einen typischen Gaming-Abend nach dem Zubettbringen? Da muss ich ehrlich sein. Windrose ist ein vollwertiges Survival-Spiel mit einer Hauptstory, die je nach Spielstil 50 bis 70 Stunden umfassen soll – das ist nichts, was man mal eben in einer Session durchspielt. Und der Einstieg ist knackig: Bevor man die ersten besseren Waffen craften kann, beißt man öfter mal ins Gras. Wer also nur 30 Minuten am Stück hat und in dieser Zeit Frust statt Entspannung vermeiden will, sollte sich der ersten zähen Stunden bewusst sein.

Die gute Nachricht: Hat man diese Anfangshürde einmal genommen, ist das Spiel überraschend gut für kürzere Sessions geeignet. Das Crafting ist so eingängig, dass man auch nach ein, zwei Wochen Pause sofort wieder reinfindet, ohne erst ein Wiki wälzen zu müssen. Man setzt sich hin, fährt eine Schiffsschlacht, baut ein bisschen an der Basis – und kann jederzeit wieder aufhören, ohne das Gefühl, mitten in etwas Wichtigem rauszureißen. Das schätze ich bei einem Survival-Spiel sehr.

Und fürs gemeinsame Spielen mit dem Nachwuchs? Für die ganz Kleinen ist es durch das fordernde Kampfsystem und die Piraten-Gefechte eher nichts. Für ältere Kids, die schon mit etwas Herausforderung umgehen können, ist das Setting aber ein echter Magnet – Schiffe, Schätze, Stürme, das zieht. Da lohnt es sich, einfach mal gemeinsam vor dem Bildschirm zu sitzen, auch wenn nur einer die Maus in der Hand hat.

Kleine Wermutstropfen gibt es natürlich: Feindliche Schiffe kann man nur entern oder versenken, aber nicht kapern und in die eigene Flotte eingliedern – gerade in einem Piratenspiel hätte ich mir das sehr gewünscht. Und der erwähnte holprige Start kann Einsteiger durchaus frustrieren. Aber: Das Spiel steckt noch im Early Access, und für dieses Stadium ist der Umfang und die Politur schon beeindruckend. Da kann noch einiges nachkommen.

Mein Fazit als Gamer Dad: Windrose ist eine klare Empfehlung für alle, die Survival mögen und schon immer mal echtes Piratenleben schnuppern wollten. Es fordert ein bisschen Geduld am Anfang und einen gewissen Zeit-Invest insgesamt – aber wer ihm die Chance gibt, bekommt eines der frischesten Survival-Erlebnisse seit Langem. Und gerade die Wiedereinstiegs-Freundlichkeit macht es auch für uns Eltern mit knappem Zeitbudget zu einem Titel, den man guten Gewissens auf die Liste setzen kann.